Der Mann, der dem Alltag entfliehen will

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Mann: Ich halte das nicht mehr aus. Dieser Alltag macht mich fertig. Bitte zeige mir den Weg nach draußen.

Mönch: Du willst dem Alltag entfliehen? Wohin genau möchtest Du?

Mann: Ja, ich will dem Alltag entfliehen. Ich habe keine Lust mehr auf die Kacke. Arbeit, Familie, Nachbarn, Politik – all das Drama. Drama ohne Ende. Wenn ich bei dem einen fertig bin, geht es woanders wieder los. Es scheint nie aufzuhören.

Mönch: Ich verstehe. Hier bei uns auf dem Berg haben wir allerdings auch Alltag. Ein anderer Alltag als bei euch in der Stadt. Doch Alltag ist es ebenso.

Mann: Du wirkst aber glücklicher als ich mich fühle. Und es scheint hier oben kein Drama zu geben.

Mönch: Nun, es gibt hier kein Fernsehen, kein Social Media, kein Internet. Stattdessen Gärten, klare Luft und relative Ruhe.

Mann: Vielleicht ist es das. Sag mir: Muss ich mein normales Leben aufgeben, um diese Ruhe zu erfahren? Muss ich erst Mönch werden?

Mönch: Nein, das musst Du nicht. Du kannst es tun. Hier oben ist noch Platz. Ich empfehle Dir das jedoch nicht. Die meisten von uns sind schon als Kinder zu Mönchen geworden. Es ist ein Weg, für den man gemacht sein muss. Du aber stehst mitten im Leben…hast Beruf, Familie, Freunde?

Mann: Ja…

Mönch: Dann gib das nicht leichtfertig auf. Was Du stattdessen brauchst, was ich Dir empfehle, das ist eine Schublade voller Freude.

Mann: Eine Schublade voller Freude?

Mönch: Ja. Sicher hast Du zu Hause eine Schublade. Oder von mir aus einen Schuhkarton. Ich empfehle Dir nun folgendes: Reserviere Dir eine Schublade nur für Dich. Und dort tust Du all das rein, was Dir wirkliche Freude bereitet. Es können natürlich keine großen Dinge sein – die passen da ja nicht rein. Es kann was Geschriebenes sein. Oder Bilder. Kleine Dinge. Erinnerungen. Pläne. Anleitungen. Wichtig ist, dass es ausschließlich Dinge sind, die Du liebst, die Dir Freude bereiten, die Dein Herz zum Schwingen bringen.

Mann: Und was ist mit meinem Alltag? Dem Drama überall?

Mönch: Reduziere Deinen Medienkonsum auf das Minimum. Miste bei den Menschen aus. Schaue, wann immer Du Lust hast, in Deine Schublade voller Freude.

Mann: Das ist alles?

Mönch: Nicht ganz. Einen Tipp habe ich noch. Du liebst doch unser Kloster samt dem Tempel hier oben, kommst gerne hierhin. Komm doch öfter mal vorbei, vielleicht einmal im Monat. Und spende uns regelmäßig einen kleinen Betrag. Wir können das gut gebrauchen. Es muss ja alles in Schuss gehalten werden. Für Dich ist es nur eine Kleinigkeit. Beides wird Dein allgemeines Glückslevel heben.

Mann: Danke für Deinen Rat.

Beitragsbild: © Arne Kruse


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