Die Sache mit dem Erfolg

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Marie: Ich wäre gerne erfolgreich, bin es aber nicht. Das nagt an mir.

Isabelle: Warum wärest Du gerne erfolgreich?

Marie: Ich will einfach erfolgreich sein. Warum nur die anderen? Ich denke, ich wäre dann glücklicher.

Isabelle: Ich kenne viele erfolgreiche Menschen, die unglücklich sind.

Marie: Wirklich?

Isabelle: Ja, klar. Ich bin sicher, Du kennst auch welche.

Marie: Zum Beispiel?

Isabelle: Ich denke zuerst an all die Stars, die sich das Leben genommen haben. Musiker, Sportler, Schauspieler. Künstler aller Art. Sie waren sehr erfolgreich. Sie haben Millionen Menschen begeistert. Sie haben Auszeichnungen erhalten, Wettkämpfe gewonnen. Sie brauchten sich um Geld keine Sorgen zu machen. Dennoch waren sie offenbar nicht glücklich. Wenn Erfolg glücklich machen würde, dürfte so etwas nicht passieren.

Marie: Hmmm.

Isabelle: Warte, das ist noch nicht alles. Meiner Erfahrung nach ist Erfolg generell keine Garantie für Glück. Ich kenne zum Beispiel viele Menschen, die beruflich sehr erfolgreich sind – die Karriere machen – und dennoch unzufrieden sind. Vielleicht haben sie sogar große Probleme in anderen Lebensbereichen.

Marie: Hey… was willst Du mir bitte damit sagen? Wenn ich Erfolg habe, werde ich unglücklich sein? Ich habe nur gesagt, dass ich gerne erfolgreich wäre. Was ist daran falsch?

Isabelle: Es geht nicht um richtig oder falsch… Vielleicht sollten wir erstmal definieren, was wir unter Erfolg verstehen. Was genau verstehst Du unter Erfolg?

Marie: Für mich bedeutet Erfolg, dass ich mit meinem Beruf vier Dinge abdecke: Ich tue, was ich gut kann und werde darin besser. Was ich tue, bereitet mir große Freude. Ich bringe anderen damit einen großen Mehrwert oder Nutzen. Ich erhalte dafür mehr als genug finanzielle Anerkennung. Also: Ich kann davon gut leben. Ich habe genügend Freizeit.

Isabelle: Verstanden. Und wie sieht es da aktuell aus bei Dir?

Marie: Nun, was ich sehr gut kann, ist Malen. Malen bereitet mir große Freude. Es gibt Freunde und Bekannte, die meine Bilder mögen. Ich verdiene damit genau: Nichts. Nulkommanull. Ich zahle sogar drauf. Malen ist also mein Hobby. Und beruflich verdinge ich mich in einem Bürojob im Marketing.

Isabelle: Und Erfolg für Dich wäre nun, wenn Du als Malerin Dein Geld verdienen könntest?

Marie: Ja!

Isabelle: Das ist doch ein klares Ziel. Erfolg wird im allgemeinen als Erreichen der eigenen Ziele definiert.

Marie: Ja, nur bin ich eben nicht erfolgreich. Mein Ziel ist mitnichten erreicht! Und ich weiß nicht, wie ich es erreichen kann. Und ob ich es jemals erreichen werde! Stattdessen arbeite ich in irgendwelchen Angestellten-Jobs. Ich hatte gehofft, Du könntest mir helfen.

Isabelle: Wenn ich das richtig verstanden habe, fehlt Dir nach Deiner Erfolgsdefinition nur ein Aspekt: Der des Geldverdienens, des „Davon-leben-Könnens“. Stimmt das?

Marie: Ja! Wie schaffe ich das?

Isabelle: Ich bin ganz ehrlich: Als Glückscoach bin ich da überfragt. Ich möchte Dir nur folgenden Rat geben: Vergiss nicht, dass Erfolg nicht alles ist. Ich kenne viele Menschen, die aus der Sicht von anderen Menschen überhaupt nicht erfolgreich sind – die aber dennoch sehr glücklich sind. Und: Jeder, der irgendwo drin erfolgreich ist, hat mal klein angefangen. Und jeder kann nur da anfangen, wo er eben gerade ist. Also glaube an Dich. Male. Mach weiter. Lass Dich nicht entmutigen. Sei dankbar für Deine Umstände. Und vergiss ebenso nicht: Die absolute Mehrheit der Menschen weltweit verdient ihr Geld über Angestelltenjobs. Das ist völlig normal. Es ist strategisch gesehen sogar sinnvoll, gerade als Künstler.

Marie: Danke für Deine ehrlichen Worte. Ich will auch ehrlich sein: Ich verstehe, was Du meinst, wenn Du sagst, Erfolg sei keine Garantie für Glück. Dennoch halte ich meinen Wunsch für völlig legitim, sinnvoll und sogar glückversprechend. Kennst Du einen guten Erfolgscoach?

Isabelle: Vielleicht brauchst Du schon was Spezielleres: Eine Hilfestellung, wie und wo Du anfangen kannst, mit Deinen Bildern Geld zu verdienen. Da bin ich aber überfragt.

Marie: Würdest Du mir ein Bild abkaufen?

Isabelle: Na klar! Zeig mal Deine Kollektion. Hast Du einen Katalog oder so?

Marie: Nein…aber auf Instagram kannst Du Dir meine Werke ansehen.

Isabelle: Gut, das mache ich heute Abend.

Marie: Das freut mich.

Beitragsbild: © Arne Kruse


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