Erik: Hast Du einen einfachen Tipp für mich, glücklicher zu sein?
Isabelle: Was meinst Du mit „einfach“?
Erik: Einfach eben. Leicht. Sofort umsetzbar. Ohne viel Aufhebens.
Isabelle: Klar. Schätze einfach die kleinen Dinge.
Erik: Welche kleinen Dinge?
Isabelle: Dein Frühstück. Den Himmel bei Sonnenauf- oder -untergang. Deine Socken. Dein hoffentlich gemütliches Bettchen. Deine Freiheit. Freue Dich darüber.
Erik: Ist das nicht etwas zu einfach? Wie soll mich etwas so Profanes glücklich machen? Ich habe das Gefühl, grundlegend unzufrieden zu sein. Jeden Tag muss ich arbeiten. Und jetzt soll ich mich über meine Socken freuen?
Isabelle: Ja! Es gibt aber tausend andere kleine Dinge, über die Du Dich ebenso freuen könntest. Soll ich sie aufzählen?
Erik: Bitte nicht.
Isabelle: Aber Du wolltest doch einen „einfachen Tipp“.
Erik: Ja, schon…
Isabelle: …was hast Du Dir denn erhofft? Dass ich „geh in die Spielbank“ sage?
Erik: Nein… Hmmm. Ich glaube, ich bin wie gesagt grundlegend unzufrieden. Und ich habe keine Lust, jetzt einen Megaheckmeck machen zu müssen, um das zu ändern. Ich will nicht erst meinen Traumjob finden müssen, auswandern oder ein Sportfreak werden. Oder ein Jahr ins Kloster gehen. Oder ein Seminar für 5.000 Euro besuchen. Es muss doch einen einfacheren Weg geben.
Isabelle: Wie ich schon sagte: Schätze die kleinen Dinge in Deinem Leben. Du lebst noch. Du bist gesund. Du musst nicht an die Front. Du hast einen Job. Du wohnst in einem Land, wo Demokratie herrscht und wo man das Leitungswasser trinken kann. Was willst Du noch?
Erik: Naja, ich will glücklich sein. So wie die Millionäre auf ihren Yachten. Oder so, wie die Filmstars in Hollywood. Aber das kann ich nicht, da ich kein Millionär bin und es vermutlich so schnell auch nicht werde.
Isabelle: Ich verstehe. Du glaubst, dass Du umso glücklicher bist, je reicher oder berühmter Du bist.
Erik: Ja, natürlich tue ich das. Alle streben doch danach.
Isabelle: Viele tun das, ja. Aber es ist eine Illusion! Wenn Reichtum oder Ruhm glücklich machen würde, müssten reiche und berühmte Menschen doch durch die Bank äußerst glücklich sein. Also zufrieden, entspannt, erfüllt, beseelt. Und Menschen mit normalem Einkommen, die unbekannt sind, müssten allgemein unglücklicher sein. Wenn Deine Theorie stimmen würde, dann müsste es einen riesigen Glücksunterschied zwischen normalen und reichen Menschen geben. Den gibt es aber meiner Erfahrung nach definitiv nicht! Im Gegenteil: Du findest in allen Schichten sowohl sehr glückliche als auch sehr unglückliche Menschen.
Erik: Und woran liegt das Deiner Meinung nach?
Isabelle: Es liegt an den Einstellungen und Sichtweisen der jeweiligen Menschen. Wer seinen Fokus auf den Mangel richtet, auf das Fehlende und Unperfekte, der wird nie glücklich sein. Egal wieviel er verdient oder besitzt. Und wer sich stattdessen über kleine Dinge freuen kann, wird auch mit wenig Besitz glücklich sein.
Erik: Soll das heißen, jemand Armes, der sich über kleine Dinge freut, kann glücklicher sein als jemand Reiches, der sich nicht reich genug fühlt?
Isabelle: Ja, genau!
Erik: Dann wäre es doch schlau, sich über kleine Dinge freuen zu können…
Isabelle: In der Tat.
Erik: Und wie geht das jetzt?
Isabelle: Mache regelmäßig Sport. Geh in der Natur spazieren. Reduziere Deinen Medienkonsum. Leg das Handy weg. Gönne Dir immer wieder kurze Ruhepausen. Atme bewusst. Beobachte Deine Umgebung. Bereite Dein Essen mit Liebe zu. Kostet alles nix! Spende für einen gemeinnützigen Zweck, den Du unterstützt – auch, wenn es nur wenig ist! Und wenn es nur ein Euro im Monat ist. Tue es! Koche etwas für andere. Denke mehr ans Geben, denn ans Nehmen. Tue etwas für andere. Mach Dir bewusst, dass Deine Umstände den globalen Umständen entsprechend gut sind. Eine Änderung Deiner Sichtweise wird umso einfacher, je mehr Du im Alltag anders handelst. Das sind meine Tipps auf die Schnelle.
Erik: Danke für die Tipps. Das hört sich einfach an. Ich probiere es aus.
Beitragsbild: © Arne Kruse