Erik: So fuck you!
Isabelle: Haaallo, Erik…hörst Du mich?
Erik: Fuckin‘ bitch, ass, titty… mooootherfuuuucker! Fuck you! Fuck you! Fuck everything!
Isabelle: Erik! Hey! Winke winke! Nimm mal die Kopfhörer ab bitte! Hey?
Erik: Oh, Isabelle…hi… was gibt es?
Isabelle: Was machst Du denn da? Englisch lernen?
Erik: Äh…nee…ich höre Musik… und reagiere mich etwas ab…
Isabelle: Achso… ja, so hörte sich das an…Ich würde mich gerne mal mit Dir austauschen, passt es gerade?
Erik: Ja, gerne.
Isabelle: Darf ich fragen, was Dich aufregt?
Erik: Ich habe keine Lust mehr auf Politik, glaube ich.
Isabelle: Geht mir ähnlich. Warum?
Erik: Ich finde es anstrengend mit anzusehen, wie Dinge, die selbstverständlich sein sollten, nicht getan werden. Du sagst doch auch immer, man könne niemanden zu seinem Glück zwingen. Wer will überhaupt das, was wir wollen? Freiheit, Demokratie, Wohlstand? Stärke? Ich meine, nicht wenige sagen, sie wollten das, aber sie tun dann jeweils Dinge, die das verhindern. Ich finde das frustrierend. Ich brauche Abstand davon. Wie war Dein Gespräch vor diesem Gremium?
Isabelle: Naja. Sie wollten, dass ich ehrlich bin. Das war ich. Keine Ahnung, ob es was fruchtet. Weißt Du, ich habe auch keine Lust mehr. Mir tut es weh, Politik zu verfolgen. Wenn ich daran denke, was uns bevorsteht, wird es nicht besser.
Erik: Was frustet Dich besonders?
Isabelle: Mit anzusehen, wie etwas Gutes den Bach runtergeht. Zu ahnen, was noch kommt. Ich finde es nicht so toll, wenn die AfD stärkste Partei wird. Ich finde es nicht so toll, wenn Russland uns und unsere Nachbarn angreift und bedroht und wir uns als Europäer nicht wirksam wehren. Ich finde es nicht so toll, … ach weißt Du, ich will es gar nicht alles aufzählen jetzt. Das zieht mich nur runter. Ich finde es auch bescheuert, über Dinge zu streiten, die in einer freien Gesellschaft selbstverständlich sein sollten. In der Küche streiten die Köche doch auch nicht darum, dass man Nudeln in Wasser kochen muss, dass Herdplatten heiß sind und dass frische Lebensmittel verderben, wenn sie nicht gekühlt werden.
Erik: Tja…die Köche wissen eben, dass sie alle Köche sind – in einer Küche. In unserer Gesellschaft fehlt dieses Wissen über Grundlegendes wohl. Bei uns gibt es jetzt Sendungen über Meinungsfreiheit. Als ob es nicht selbstverständlich ist, Meinungsfreiheit in einer Demokratie zu haben.
Isabelle: Es sollte selbstverständlich sein – so wie vieles andere auch. Ist es aber offenbar nicht.
Erik: Eigentlich sollte doch über Sachthemen gestritten werden.
Isabelle: Ja…
Erik: Stattdessen wird über Meinungsfreiheit gestritten.
Isabelle: Ja. Ich halte das für ineffizient. Wir brauchen auch keinen Streit, sondern Entscheidungen. Schnell. Diskutieren aber über das Recht, etwas sagen zu dürfen…Und Schüler streiken gegen die Wehrpflicht. Und BSW, AfD und Linke rufen den „Landkreis des Friedens“ aus und verbieten Werbung für die Bundeswehr…
Erik: Was ist Deine Lösung? Sollten wir Politik sein lassen? Ich meine: niemand bezahlt uns dafür. Wir haben schon viel beigesteuert. Die Welt geht ihren Weg. Wir haben keine Kontrolle über andere Menschen und äußere Bedingungen – sagst Du doch immer. Wir können es beeinflussen, aber am Ende entscheidet jeder selbst. Aktiv in die Politik gehen wollen wir nicht, oder?
Isabelle: Nee, also ich sehe mich da nicht. Mir ist das zu toxisch. Vergiftet. Bekloppt. Kosten/Nutzen stimmen nicht überein. Es gibt aber zum Glück viele sehr kompetente Menschen mit Macht und Einfluss, die unsere Botschaften unter die Leute bringen. Sie werden dafür bezahlt. Deswegen müssen wir es auch nicht tun. Du willst nicht in die Politik?
Erik: Um Gottes Willen, nein. Ich bin zwar noch jünger als Du. Aber um ehrlich zu sein: Nein, ich sehe meine Zukunft woanders.
Isabelle: Darüber wollte ich eigentlich mit Dir sprechen. Über unsere Zukunft.
Erik: Gerne. Was hast Du vor?
Isabelle: Ich will die Zeit bis zu meinem Tod bestmöglich nutzen und verbringen. Meine Frage an Dich ist: Machst Du mit? Willst Du das auch?
Erik: Ähh…meine Zeit gut verbringen, grundsätzlich ja…aber was meinst Du denn genau? Wobei soll ich mitmachen?
Isabelle: Das würde ich gerne mit Dir zusammen erarbeiten. Wir retten in jedem Fall nicht die Welt. Stattdessen arbeiten wir mit dem, was wir mehr oder weniger gut kontrollieren können. Mit dem, wo wir was reißen können. Ich meine, wir waren da schon oft dran an dem Thema.
Erik: Oh, ja, gerne! Das hört sich gut an! Wie lauten denn die Leitfragen?
Isabelle: Ich habe genau eine Leitfrage, und die geht so: Wie verwandeln wir unser Leben in ein wunderbares Leben?
Erik: Mich begeistert schon die Frage…
Isabelle: Mich auch! Also gut. Da machen wir dann weiter beim nächsten Mal. Jetzt kannst Du wieder Deine Fuck-you-Musik hören…
Erik: Es ist Body Count. Vielleicht kennst du die noch von früher.
Isabelle: Ja, die kenne ich.
Beitragsbild: © Arne Kruse