Ist es möglich, glücklich zu sein, obwohl man nicht reich ist? „Ja“, meint Isabelle Wang. Drei Tricks.
Trick 1: Etwas geben, ohne etwas zu haben
Erik: Du hast gesagt, großzügig sein ist die Grundlage für Glück und Wohlstand. Wie soll ich aber großzügig sein, wenn ich nichts habe?
Isabelle: Hast Du einen Körper und kannst denken und fühlen?
Erik: Ja.
Isabelle: Dann kannst Du großzügig sein. Tue etwas für andere. Schenke ihnen Deine Freundlichkeit, Zeit und Unterstützung. Das kostet Dich nichts.
Erik: Ich muss also gar kein Geld haben, um großzügig zu sein?
Isabelle: Nein, natürlich nicht. Dennoch kannst Du mit dem wenigen Geld, das Du hast, trotzdem großzügig sein.
Erik: Wie das? Es reicht gerade einmal für mich selbst. Ich habe nichts über.
Isabelle: Und wenn Du so lebst wie viele Menschen, wird sich das auch nie ändern – egal wieviel Du hast oder verdienst. Um Großzügigkeit mit Geld zu kultivieren, fang am besten mit Kleinigkeiten an. Warte nicht, bist Du meinst, genug zu haben. Baue jetzt schon mit Kleinstbeträgen die Gewohnheit auf, Geld für einen guten Zweck zu spenden.
Trick 2: Weniger ist mehr
Erik: Ich kann mir vieles nicht leisten, weil ich zu wenig verdiene.
Isabelle: Das glaube ich nicht. Ich denke, Du leistest Dir viel.
Erik: Was meinst Du? Ich fahre keinen Mercedes.
Isabelle: Nein, das tust Du nicht. Aber Du fährst einen VW. Warum keine günstigere Marke? VW ist nicht günstig. Du leistest Dir Haustiere. Weißt Du, wie viel Geld die Dich jährlich kosten? Du leistest Dir einen Garten. Weißt Du, wie viel Kosten der Dir bereitet? Du leistest Dir Zigaretten, Alkohol, Kaffee und Softdrinks – oft in Cafés und Restaurants. Wasser trinken würde reichen! Das ist billiger und gesünder! Du leistest es Dir, mehrmals pro Monat auswärts zu essen oder kaufst Bäckerei- und Fertigprodukte. Warum tust Du das? Bereite Dir Dein Essen selbst zu. Das ist günstiger und oft gesünder. Du leistest Dir ein Haus, das viel zu groß für Dich ist. Das wiederum musst Du heizen und putzen. Warum tust Du das? Erzähl mir nicht, dass Du zu wenig Geld hast. Du hast zu hohe Ausgaben. Offenbar bist Du reich. Schraube Deine Ansprüche und Ausgaben herunter. Dann hast Du mehr. Weniger ist mehr!
Trick 3: Sichtweise, Abstand und Motivation
Erik: Wie soll ich glücklich sein, wenn ich arm bin? Wenn ich für Geld arbeiten muss?
Isabelle: Erkenne, dass Dein Glück nicht von äußeren Umständen abhängt.
Erik: Wovon hängt es dann ab?
Isabelle: Es hängt von Deiner mentalen Verfassung ab.
Erik: Nenne mir bitte ein Beispiel.
Isabelle: Deine Sichtweise entscheidet darüber, wie Du die Dinge erlebst. Dein vorhandener oder fehlender Abstand zu Deinen Gefühlen entscheidet darüber, wie Du auf Geschehnisse reagierst. Deine grundlegende Motivation in Bezug auf andere Menschen entscheidet darüber, ob Du unter ihnen leidest oder nicht.
Erik: Hm. Was heißt das konkret?
Isabelle: Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Halbvoll heißt Überfluss. Halbleer heißt Mangel. Du entscheidest das! Das ist Deine Sichtweise. Reagierst Du auf für Dich unangenehme Situationen impulsiv mit Gewalt, Vorwürfen oder Beleidigungen? Dann hast Du keinen Abstand zu negativen Gefühlen. Du wirst viele Probleme deswegen bekommen. Du wirst Dich schlecht fühlen. Leidest Du darunter, dass es Menschen gibt, die sich unfair, asozial oder verbrecherisch verhalten? Dann könnte es Dir helfen, an Deiner grundlegenden Motivation zu arbeiten.
Erik: Die ersten beiden Punkte verstehe ich. Was meinst Du aber mit „grundlegender Motivation“?
Isabelle: Wünscht Du anderen pauschal Glück? Oder bist Du da selektiv unterwegs?
Erik: Menschen, die ich mag, wünsche ich natürlich Glück. Menschen, die ich nicht mag, wünsche ich kein Glück.
Isabelle: Da tickst Du sicher nicht anders als wie viele Menschen. Diese Herangehensweise ist menschlich verständlich. Sie kann aber Dein Wohlbefinden stark beeinträchtigen.
Erik: Wie das?
Isabelle: Wenn Du andere hasst, verleihst Du ihnen Macht über Dich. Dann können sie Dich ärgern. Sie ziehen Dich am Ring durch die Manege. Willst Du das? Wenn Du heftig leiden willst, hasse andere Menschen.
Erik: Was schlägst Du stattdessen vor?
Isabelle: Du wünscht einfach allen Glück – und speziell jenen Menschen, die Du als schwierig erlebst.
Erik: Was soll das bringen?
Isabelle: Indem Du anderen Glück wünscht, wirst Du frei. Es ist juckt Dich dann nicht mehr, was diese Menschen Komisches tun. Und das, was sie tun, tun sie sowieso! Wenn Du glücklich sein willst, wünsche pauschal allen Glück. Dann fällt es Dir leichter, den komischen Leuten aus dem Weg zu gehen. Falls das nicht geht, kannst Du geschickter mit ihnen umgehen. Die meisten Menschen leiden stark unter Mitmenschen, die sich komisch verhalten. Das ist die Ursache Nummer eins für Unglück. Es kostet sie Energie und damit Lebensfreude. Daher macht es Sinn, zu lernen, besser mit schwierige Fällen klarzukommen. Wenn Du die schweren Fälle meisterst, hast Du richtig dicke Bretter gebohrt. Dann wirst Du allgemein viel glücklicher sein.
Beitragsbild: © Arne Kruse