Mr. VIP Willi Oberwichtig
Kunde: Wissen Sie überhaupt, wer ich bin?
Erik: Sie sind Max Mustermann.
Kunde: Hören Sie mal, ich bin Willi Wichtig! Und für Sie bin ich: Mr. VIP Willi Oberwichtig.
Erik: Sie sind also ein Roter-Teppich-Kunde. Sie erwarten, dass man Ihnen den roten Teppich ausrollt, nur weil Sie es sind.
Der Chef soll her
Kunde: Ja! Ich bin unglaublich wichtig. Das können Sie kleiner Sachbearbeiter sich gar nicht vorstellen. Sie Wicht. Sie Niemand. Ich hatte schon über 20.000 Mitarbeiter unter mir. Ich will Ihren Chef sprechen. Jetzt!
Erik: Er kann Ihnen leider auch nicht helfen.
Kunde: Sagen Sie mir bitte Ihren Namen.
Erik: Mein Name ist Erik.
Kunde: Ich will jetzt Ihren Chef sprechen!
Erik: Er hat leider einen Termin gerade.
Kunde: Das ist ja nicht zu glauben! Wissen Sie eigentlich, wer ich bin, Sie Nichtsnutz? Holen Sie ihn jetzt her!
Erik: Ja, ich weiß wer Sie sind. Sie sind Max Mustermann. Sie meinen aber, Sie seien Mr. VIP Willi Oberwichtig. Sie glauben, Ihre aktuelle oder ehemalige berufliche oder gesellschaftliche Stellung würde Sie zu etwas Besonderem machen. Sie denken, diese Besonderheit erlaube Ihnen, auf jeglichen respektvollen zwischenmenschlichen Umgang pfeifen zu können, während andere für Sie spuren müssen. Sie glauben, Sie könnten sich alles herausnehmen und kämen damit durch.
Drohungen
Kunde: Wie reden Sie denn mit mir? Was erlauben Sie sich? Ich fasse es nicht! Ich werde mich beschweren über Sie!
Erik: Wie ich mit Ihnen rede, entscheide ich und nicht Sie. Beschweren Sie sich ruhig. Vorher will ich Ihnen noch drei Dinge mitgeben: Erstens: Sie sind nur ein Mensch von vielen. Zweitens: Sie kochen auch nur mit Wasser. Drittens: Probieren Sie es mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gelassenheit. Und mit Respekt. Steigen Sie von Ihrem hohen Ross herunter. Begegnen Sie Ihren Mitmenschen mit Respekt und Freundlichkeit.
Kunde: Ich muss mir das nicht anhören! So etwas Freches! Sie werden schon sehen, was jetzt passiert. Schauen Sie sich schon mal nach einem neuen Job um, Sie Idiot! Wie lautet die Telefonnummer des Chefs Ihres Saftladens?
Erik: Herr Mustermann, Sie haben mich gerade schon wieder beleidigt. Das ist inakzeptabel. Ich werde das Gespräch daher jetzt beenden.
Kunde: Sie werden gar nichts beenden! Ich will jetzt verdammt nochmal Ihren Vorgesetzen sprechen! Aber Dalli!
Ende Gelände
Erik: Herr Mustermann, wie ich Ihnen schon sagte: Sie entscheiden hier gar nichts. Ich hingegen entscheide, dieses unsägliche Gespräch mit Ihnen zu beenden. Ich habe für so etwas keine Zeit. Meine Zeit ist zu wertvoll dafür. Und das Leben ist zu schön dafür. Die Art und Weise, wie Sie mit mir sprechen, disqualifiziert Sie leider für eine Weiterführung des Gesprächs. Ich wünsche Ihnen – trotz Allem – einen schönen Tag.
Beitragsbild: © Arne Kruse