Nur Mut wird Freiheit bewahren

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Angst vor Islamisten

In den Nuller Jahren haben Islamisten weltweit gegen dänische Comiczeichnungen protestiert – die Mohammed-Karikaturen. Der Protest fand auf der Straße statt genau wie in der Politik. Es kam in der Folge zu Gewalt, Morden und Terroranschlägen. Leider gab es in der westlichen Welt damals nicht wenige Menschen, die ängstlich statt mutig auf diesen Angriff des politischen Islams reagiert haben. Sich eher links oder grün verortende Personen aber auch andere Menschen aus Politik, Medien und der Wissenschaft traten für Selbstzensur ein. Sie plädierten dafür, dass sich freie Gesellschaften dem Willen von islamischen Diktaturen und Extremisten unterwerfen. Sie wollten die Wünsche der Islamisten erfüllen, indem das Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen verboten wird – und am besten jede Islamkritik gleich mit. Die Motivation dahinter war zu einem großen Teil schlicht Angst. Angst vor der Gewalt der Islamisten. Angst davor, als böser Rassist gebrandmarkt zu werden. Angst davor, mutig für die Grundwerte der freien Welt einzustehen. Nina Scholz und Heiko Heinisch haben übrigens ein wunderbares Buch über die Karikaturen-Krise geschrieben.

Angst vor Russland

Damals gab es – zum Glück – auch Kritik an dieser duckmäuserischen und feigen Haltung. Sie kam vor allem von liberaler und konservativer Seite. Leider erleben wir das Phänomen der angstgetriebenen Unterwerfung in den 2020er Jahren erneut – diesmal in Bezug auf Russland. Heute ist es ein Teil der sich selbst als freiheitlich und konservativ bezeichnenden Menschen aus Politik, Medien und Gesellschaft, der dafür plädiert, sich der Gewalt und dem Terror des Putin-Regimes zu beugen. Die Ukraine soll nicht mehr unterstützt werden. Russland soll nicht „provoziert“ werden – es sei ja „eine Atommacht“. Dahinter steckt zu einem Teil wiederum schlicht Angst. Angst vor der Gewalt Russlands. Angst vor Krieg. Angst davor, von russischen Trollen als Kriegstreiber und grün-links versiffter Idiot dargestellt zu werden. Angst davor, mutig für die Grundwerte der freien Welt einzustehen.

Linke und Konservative: Unterwerfung bei erster Gelegenheit

Von oben betrachtet ist das ganze völlig verrückt. Linke, die sich selbst auf die Fahnen geschrieben haben, Menschenrechte und Toleranz mutig zu verteidigen, unterwerfen sich dem politischen Islam – der Toleranz und Menschenrechte hasst. Konservative, die sich selbst auf die Fahnen geschrieben haben, Demokratie und Freiheit zu verteidigen, unterstützen ein freiheitsfeindliches Russland dabei, die eigenen Bürger zu unterdrücken, seine Nachbarn mit Krieg und Terror zu überziehen und hybriden Krieg gegen die freie Welt insgesamt zu führen. Das klingt völlig widersprüchlich und unsinnig, ist aber Teil unserer politisch-gesellschaftlichen Realität. Konservative und Linke ticken ähnlich, sobald die Angst im Spiel ist.

Angst oder Sympathie?

„Halt!“ ruft der gut beobachtende Leser jetzt. „Es handelt sich doch nicht nur um Angst. Ein Teil der Linken sympathisiert mit dem islamischen Extremismus. Aus Selbsthass begrüßen sie das Wirken ihrer Feinde. Aus Naivität verklären sie Islamisten als edle Wilde. Ein Teil der Konservativen sympathisiert mit dem Putin-Regime. Aus Selbsthass rollen sie Putin und Co. den roten Teppich aus. Aus Frust betrachten sie Putin als Heiland, der sie retten wird vor den bösen Grünen und Linken.“ Ja. Diese Motive – Selbsthass, Naivität, Frust – welche genauso irrational sind wie jenes der Angst, spielen sicher auch eine Rolle.

Mut ist die Grundlage für Freiheit

Was beide Gruppen in ihrer emotionalen Irrationalität geflissentlich übersehen, ist, dass Menschenrechte, Toleranz, Freiheit und Demokratie nur dort existieren, wo mutig für sie eingetreten wurde und wird. Dieses mutige Eintreten bedeutete früher oft, den eigenen Tod oder andere Nachteile in Kauf zu nehmen. Es bedeutete, Krieg zu führen. Es bedeute, Opfer zu bringen. Es bedeutete, trotz Angst für das Richtige einzutreten. Mut ist die Grundlage für Freiheit und Menschenwürde.

Der Friedenswunsch als Unterwerfung

Islamisten sagen, das Islam „Frieden“ bedeutet. Das Putin-Regime sagt ebenso, es wolle doch nur Frieden. Wenn nur die bösen, kriegslüsternen Europäer nicht wären… Und die Menschen in Russland sind natürlich völlig frei! Jeder darf diesen Quatsch glauben. Jeder darf um des lieben Frieden Willens für Unterwerfung eintreten. Nur würde es helfen, dies dann auch entsprechend klar zu benennen. Folgende Formulierungen bringen die Haltung klar zum Ausdruck:

„Sobald mir jemand mit Gewalt droht, ergebe ich mich sofort. Ich bin lieber ein Sklave, der in Ruhe gelassen wird, als ein freier Mensch, der sich verteidigen und behaupten muss.“

„Wenn im Park eine Frau von vier Männern bespuckt, begrapscht oder vergewaltigt wird, werde ich nichts tun, um ihr zu helfen. Ich werde nicht mal die Polizei rufen. Denn jegliches Eingreifen könnte die Lage eskalieren lassen.“

„Ich plädiere dafür, Bundeswehr, Polizei und jegliche Sicherheitsdienste abzuschaffen oder wenigstens zu entwaffnen. Denn andernfalls könnten sich Räuber und Terroristen bedroht und provoziert fühlen. Ich aber will in Frieden leben.“

„Wenn ein anderes Land morgen Deutschland angreift und besetzt, plädiere ich für sofortige Friedensverhandlungen. Denn ich will keinen Krieg.“

„Die Freiheit und Würde meiner Mitmenschen interessiert mich einen feuchten Kehricht. Ich denke nur an mich. Doch selbst meine eigene Würde ist mir nicht wichtig. Sobald meinen Mitmenschen oder mir selbst jemand mit Gewalt oder Unterdrückung droht, tue ich alles, um den Frieden zu wahren. Schecks, Positionen und rote Teppiche, die mein Feind mir gewährt, erleichtern mir die Entscheidung für den Frieden sowie die Akzeptanz von Unterdrückung.“

„Die beste Reaktion auf Räuber, Vergewaltiger, Mörder und Psychopathen ist es, Verständnis für ihre Situation aufzubringen und in Verhandlungen einzutreten. Es ist nicht alles schwarz und weiß. Man muss beide Seiten sehen und verstehen. Zu einem Streit gehören immer zwei.“

Sich gerade machen

Eine andere Möglichkeit ist es, das eigene Rückgrat zu entdecken. Sich gerade zu machen. Nur Mut wird Freiheit bewahren. Das Gute in Gesellschaften ist außerdem, dass man nicht allein ist. Es muss sich also keiner allein den Feinden der Freiheit stellen. Das gilt auch für Staaten. Es gibt zum Glück nicht nur ein Land auf der Welt, das Freiheit und Demokratie beschützt. Es gibt mehrere davon. Nichts spricht dagegen, sich beim Thema Freiheit, Souveränität und Demokratie zusammen zu tun. Und das alles passiert ja auch. Möge es noch mehr passieren!

Beitragsbild: © Arne Kruse


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