Erik: Du hast neulich geschrieben, dass Du keine Lust mehr auf Politik hast. Warum?
Arne: Ich habe den Eindruck, dass es für mich da nichts mehr zu sagen oder zu tun gibt. Alles, was ich für wichtig und richtig halte, habe ich mitgeteilt. Es ist unter anderem auf diesem Blog hier nachlesbar.
Erik: Du hast doch aber ein Buch über Politik geschrieben. In Deiner Freizeit! Du hast Politik studiert. Du hast seit über 20 Jahren Politik kommentiert. Warum willst Du jetzt damit aufhören?
Arne: Die Frage habe ich mir früher auch gestellt – bei Bekannten und Freunden, die mit Politik aufgehört haben. Ich hatte das nicht verstanden damals. Ich fand es sogar schade. Heute verstehe ich es.
Erik: Dann erkläre es bitte!
Arne: Zunächst musst Du wissen, dass es mehrere Gründe gibt. Sie haben alle miteinander zu tun.
Erik: Sag es einfach!
Arne: Ich habe meine Punkte vorgetragen. Es hat mir Spaß gemacht. Es war mir ein Anliegen. Aktuell macht es mir keinen Spaß mehr. Ich habe keine politischen Ambitionen. Mir gehen viele Dinge bei Politik mittlerweile auf den Geist.
Erik: Was genau geht Dir auf den Geist?
Arne: Politik in Demokratien ist ein Trauerspiel voller Toxizität und Ineffizienz. Stell Dir mal ein erfolgreiches Unternehmen vor, dessen Ziel es ist, erfolgreich zu bleiben. Oder weiter zu wachsen. Stell Dir vor, es würde Personen, die Zahlen nicht verstehen, die Buchhaltung oder das Controlling machen lassen. Stell Dir vor, es würde Unsympathen, die Menschen hassen, den Verkauf oder Kundenservice machen lassen. Oder stell Dir vor, die allgemeine Bevölkerung könnte für jedes Unternehmen in freien und gleichen Wahlen bestimmen, wer es führt und wer wo eingesetzt wird.
Erik: Das wäre Wahnsinn!
Arne: Ja. Unternehmen setzen Mitarbeiter in der Regel für das ein, wofür sie am besten geeignet sind. Alles andere macht keinen Sinn. Politik in Demokratien hingegen fördert Un- und Wahnsinn. Das fängt in den Parteien an, setzt sich in der Bevölkerung fort, vervielfacht sich über Social Media und das Internet und hört bei den Regierungen auf. Ich sehe für das alles keine Lösung.
Erik: Du bist doch aber ein entschiedener Befürworter von Freiheit und Demokratie. Ist Dir das kein Anliegen mehr?
Arne: Doch doch. Natürlich. Ich wünsche der freien Welt die Oberhand im Kampf gegen ihre Feinde.
Erik: Lässt Du die freie Welt nicht in Stich, wenn Du aufhörst? Wer kümmert sich um die bösen Leute?
Arne: Es gibt viele Personen und Kräfte, die das tun. Ich unterstütze sie. Viele der Ideen, die vor 20 Jahren noch nicht stark genug in der Welt waren, sind es heute. Das liegt an mutigen Menschen wie Ahmad Mansour, Nina Scholz und Heiko Heinisch. Es liegt am Axel-Springer-Verlag mit Mathias Döpfner als Vorstand. Es liegt an Youtubern wie Torsten Heinrich. Es liegt an Wissenschaftlern wie Susanne Schröter, an Sicherheitsexperten wie Nico Lange, an Journalisten wie Constantin Schreiber und an Ländern wie Polen, der Ukraine oder Dänemark. Die Liste ist zum Glück sehr lang. Sie würde den Rahmen hier sprengen
Erik: Du könntest doch Politiker werden. Oder beruflich was mit Politik machen. Hast Du da mal drüber nachgedacht?
Arne: Ja, habe ich.
Erik: Und? Warum gehst Du nicht aktiv in die Politik?
Arne: Das ist eine gute Frage. Ich habe keine Lust, mit Leuten darüber zu streiten, dass eins plus eins zwei ergibt. Es ergibt zwei. Aber in der Politik kommen jetzt Leute an, die behaupten, das wäre unfair, rassistisch oder falsch. Ich halte das für bescheuert. Ich kann das dann erklären, richtig stellen. Oder was anderes tun. Mir sind in den vergangenen 20 Jahren neben der Existenz von guten Motivationen und idealistischen Ansätzen einige negative Punkte aufgefallen:
- Es geht beim Beschäftigungsfeld Politik oft ums recht haben und Missionierung.
- Es geht oft um negative Emotionen und nicht um Sachfragen.
- Es geht oft um persönliche Profilierung und um Sekten- und Stammesdenken. Also „wir“ gegen „die“.
- Die, die für Meinungsfreiheit und Demokratie eintreten, unterdrücken oder missachten sie nicht selten bei erster Gelegenheit selbst.
- Viele Menschen lassen sich ihre Lebensfreude nehmen wegen Politik oder durch Politik – sie werden dauerfrustriert.
- Da die Zeiten allgemein schwieriger werden, wird es mit dem letzten Punkt immer gravierender – sofern man selbst nicht aufpasst.
Erik: Das hört sich sehr negativ an.
Arne: Ja, aber ich will das gerne relativieren: Politik ist wichtig und eine immerwährende, sich natürlich ergebende Notwendigkeit. Gerade in Demokratien. Es gibt viele Personen, die in bester Weise politisch, wissenschaftlich, gesellschaftlich usw. aktiv sind. Ich bin ihnen dankbar. Das wiederum bedeutet nicht, dass sich jeder politisch einbringen muss. Mir selbst fallen 1000 schönere Dinge ein als Politik – ich sehe mich bei den schönen Dingen. Gleichzeitig behalte ich mir natürlich vor, mich ab und zu politisch zu äußern – wobei ich das meines Erachtens schon zu Genüge getan habe.
Erik: Das heißt also, Du siehst bei Dir gerade einen Wandel weg von der Politik. Für andere muss das nicht gelten?
Arne: Natürlich nicht. Es sind auch Phasen der persönlichen Entwicklung. Die Beschäftigung mit politischen und anderen zwischenmenschlichen Entwicklungen ist auch ein Übungsfeld, wie weit wir selbst tatsächlich tolerant und entspannt sind oder eben nicht. Was der eine hinter sich hat, hat der andere vielleicht noch vor sich.
Erik: Und? Bist Du tolerant und entspannt?
Arne: Und wie. Jeder denkt eh, was er will. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Ich halte die ganze Zeit aus, dass Entscheidungen getroffen werden, die ich anders treffen würde. Mein Leben ist trotzdem schön.
Erik: Wann sollte man Deiner Meinung nach aufhören, sich politisch zu engagieren?
Arne: Das muss jeder für sich entscheiden. Alarmsignale sind meines Erachtens, wenn man andere Meinungen nicht mehr tolerieren kann. Wenn man es nicht mehr lassen kann, jedes Gespräch auf Politik zu lenken und die vermeintlich „richtige“ Sichtweise zu Thema xy. Wenn man missionieren will.
Erik: Ist Dir das schon selbst passiert?
Arne: Ja, früher in meiner Unizeit habe ich sicher nicht wenige Freunde genervt.
Erik: Fällt es Dir nicht schwer, jetzt nichts mehr zu Politik zu kommentieren? Die Welt wird doch immer verrückter.
Arne: Ich wollte schon 2019 aufhören mit Politik. Da dachte ich: „Ok, aber erst noch das Buch raushauen“. 2022 dachte ich dann: Okay, als Autor solltest Du noch was sagen zu Russland und Co. Dann las ich den ganzen Mist der russischen Trolle und sah, wie sich die Propaganda der Diktaturen in Deutschland und der freien Welt ausbreitete und von Linken und Rechten reproduziert wird. Und wie der Rest zu zaghaft oder ideologisch verbohrt regierte und reagierte. Also sagte und schrieb ich noch ein paar Dinge mehr.
Erik: Wenn Du ein letztes Mal sagen müsstest, was Du für politisch wichtig findest, was wäre es?
Arne: Die freie Welt muss stark und unabhängig sein, um frei zu bleiben. Dafür ist Geld wichtig – also eine florierende Marktwirtschaft – genau wie militärische, soziale und mentale Stärke. Also Aufrüstung, Grenzen, Selbstbewusstsein. Es ist alles gemeinsam wichtig! Nicht nur eines davon und das andere nicht. Alles! Die freie Welt ist im Wettbewerb und im Krieg mit der unfreien Welt. Das war immer so und wird sich nie ändern. Keine Macht den Unterdrückungsideologien. Freiheit ist ein Menschenrecht. Alle Menschen, alle Religionen und insbesondere der Islam und Nationalismen aller Art müssen sich freien Menschen und demokratischen Grundwerten unterordnen. Politiker und Bürger in der freien Welt sollten ihre Illusionen aufgeben und der Realität ins Auge blicken.
Erik: Und wenn das nicht passiert?
Arne: Dann passiert es nicht. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte. Für den Einzelnen muss das dennoch nicht das Ende der Welt bedeuten. Es geht immer weiter. Es gibt immer Optionen.
Erik: Was machst Du statt Politik?
Arne: Mal gucken. Arbeiten natürlich. Puzzlen. Wandern. Das ganze Feld der persönlichen Weiterentwicklung, der Lebens- und Motivations- und Glücksphilosophie und -praxis, finde ich sehr spannend. Während wir hier reden, sterben Menschen. Neue werden geboren. Es gibt also immer genug zu tun.
Erik: Lieber Arne, Danke für das Interview!
Beitragsbild: © Arne Kruse