Was Du darfst und andere nicht – Dein Recht auf Grenzen setzen

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Irre Zustände

Stell Dir vor, Du gestehst anderen etwas zu, aber sie gestehen es Dir nicht zu. Oder Du selbst gestehst es Dir nicht zu. Dafür gibt es viele Beispiele aus dem Alltag. Dein Partner darf von Dir aus gerne mit seinen Freunden ausgehen. Willst Du selbst mal ohne ihn ausgehen, hat er ein Problem damit. Anderes Beispiel: Ein Motorradfahrer knattert täglich mit seinem Knattermotorrad vor Deinem zu Hause entlang. Du musst es wohl oder übel akzeptieren. Dann aber findest Du raus, wo der Lärmmacher wohnt und wann er schläft. Du unternimmst regelmäßig Fahrübungen auf der Straße vor seinem Haus. Daraufhin beschwert er sich lauthals und zeigt Dich an. Oder: Du hörst und liest täglich politische Ansichten Deiner Mitmenschen, die Du nicht teilst. Du tolerierst sie jedoch, weil aus Deiner Sicht jeder seine Meinung haben darf. Wenn Du nun aber Deine Gedanken äußerst, reagieren die gleichen Menschen mit Intoleranz Dir gegenüber. Oder: Du freust Dich darüber, wenn andere Menschen glücklich sind und ihren Weg gehen. Wenn es aber darum geht, dass Du Deinen Weg ins Glück gehst, dann bist Du selbst es, der es Dir nicht erlaubt. „Wer bin ich denn?“ denkst Du vielleicht. Dies alles ist irre. Oder: verkehrte Welt.

Warum sollten andere etwas dürfen, was Du nicht darfst?

Die Fragen, die Du Dir dann stellen kannst, sind folgende. Erstens: „Warum sollten andere etwas dürfen, was ich nicht tun darf?“. Zweitens: „Dürfen andere das überhaupt?“ und drittens „warum lasse ich das zu?“. Wenn Du ein würdevolles Leben führen willst, werden Dir darauf folgende Antworten einfallen: „Ich darf tun, was andere tun“. „Was ich nicht darf, dürfen auch andere nicht“. „Ich lasse das nicht (mehr) zu“.

Grenzen und Freiheit respektieren

Dahinter steht ein ganz einfacher Grundsatz: Deine Freiheit endet da, wo die des anderen beginnt. Du hast nicht das Recht, in anderer Leute Leben einzugreifen. Gut, wenn Du das so siehst! Das gilt aber für die anderen dann Dir gegenüber genauso: Ihre Freiheit endet da, wo Deine beginnt! Sie haben kein Recht, Dich zu beeinträchtigen. Das vergessen viele. Ich gehe in diesem Beitrag davon aus, dass Du eher jemand bist, der die Freiheit der anderen respektiert, während er die Grenzüberschreitungen der anderen hinnimmt. Dies ist nämlich eine der größten Schwächen in unserer heutigen demokratischen Gesellschaft: Wir sind zu nett gegenüber Aggressoren und Intoleranten. Auch im zwischenmenschlichen Bereich.

Es geht ums Recht

Der Grund, warum dies überhaupt passiert, ist ein irrer Gedanke. Er lautet in etwa so: „Ich darf keine Grenzen setzen, denn das wäre unhöflich oder anmaßend. Ich nehme es aber hin, wenn der andere meine überschreitet.“ Hierzu stelle ich fest: Dieser Gedanke ist falsch. Richtig ist: „Der andere darf meine Grenzen nicht überschreiten. Da er es trotzdem tut, ziehe ich Konsequenzen. Der andere ist im Unrecht. Ich bin im Recht.“ Sicher ist es klug, über das Wann und Wie des Grenzen Ziehens nachzudenken – aus taktischen Gründen. Im Grundsatz ist es eine völlig selbstverständliche Sache. Das Ding ist nur, dass sich oft jene Personen, die im Alltag unsere Grenzen überschreiten, einbilden, sie besäßen das Recht dazu. Meistens tun sie dies aufgrund negativer Emotionen oder eingebildeter höherer Stellung. Wir können darauf nun reagieren, indem wir dies entweder stillschweigend erdulden oder eben ein Machtwort sprechen.

Einbildung, wohin das Auge reicht

Tatsächlich ist unsere Welt voll mit Menschen, die sich einbilden, sie wären jemand Besonderes und hätten daher Sonderrechte. Das kann situativ sein oder chronisch. Sofern man selbst ein Mensch ist, der vernünftig tickt, anderen ihre Freiheit lässt und sie auf Augenhöhe sieht, besteht die Herausforderung nun darin, den eigenen Freiheitsraum zu behaupten und – wenn nötig – „Stopp“ zu sagen. In einem liberalen Rechtsstaat passiert dies alles zum Glück durch Gesetze und Gerichte. Im zwischenmenschlichen genau wie im internationalen Bereich herrscht jedoch nach wie vor eine gewisse Anarchie. Eltern meinen, ihre Kinder gehörten ihnen – was sie nicht tun. Kinder gehören sich selbst. Partner meinen, ihre Partner gehörten ihnen – was sie nicht tun. Partner sind freie Menschen – wie man selbst auch. Mitmenschen meinen, sie hätten Sonderrechte aufgrund äußerer Merkmale, früherer Verdienste, Automodelle, die sie fahren oder beruflicher oder sonstiger Positionen – haben sie aber nicht. Sie kochen alle nur mit Wasser. Regime wie jene Russlands oder Irans meinen, sie hätten das Recht, ihre Bevölkerung zu unterdrücken und andere Länder zu terrorisieren – haben sie aber nicht. Sie haben das Recht, damit aufzuhören.

Nimm es Dir heraus!

Meine Empfehlung lautet daher: Setze Grenzen, wo immer nötig. Akzeptiere es nicht, dass andere Dich in Deiner Freiheit, Deinem Glück und Deinem Weg einschränken wollen. Wisse, dass andere genau folgende Dinge dürfen: Sie dürfen ihr Leben nach ihrer Fasson leben. Sie dürfen Dich respektieren. Sie dürfen Dir Glück wünschen. Wenn sie die letzten beiden Dinge nicht tun, darfst Du ihnen Grenzen setzen oder sie aus Deinem Leben verabschieden.

Ich wünsche allen viel Spaß dabei, ihren Weg zu gehen und andere zu respektieren – sich dabei jedoch nicht von den eingebildeten Fehlvorstellungen anderer einschränken zu lassen.

Beitragsbild: © Arne Kruse


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