Erik: Wenn heute der letzte Tag Deines Lebens wäre – würdest Du dann noch etwas mitteilen wollen?
Isabelle: Deine Frage ist insofern gut, als das für uns alle heute der letzte Tag unseres Lebens sein könnte. Morgen gilt dies ebenso. Und übermorgen auch. Jeder Tag könnte der letzte sein. Wir wissen nicht, wieviel Zeit wir noch haben.
Erik: Und würdest Du noch was mitteilen wollen?
Isabelle: Du meinst, wenn ich definitiv wüsste, dass heute tatsächlich mein letzter Tag wäre?
Erik: Ja.
Isabelle: Ich würde jetzt nicht auf den Marktplatz gehen und eine Rede halten.
Erik: Ok, aber ich meine: Was würdest Du mir raten, wenn ich Dich fragen würde? Ein Lebenstipp?
Isabelle: Dann würde ich raten: Mach Dir die Natur dieser Welt und Deiner Existenz bewusst. Sie ist vergänglich. Was Du tust, hat Konsequenzen. Geh am besten zu den Buddhisten oder anderen weisen Menschen und lerne von ihnen, wie Du von innen heraus dauerhaft glücklicher und furchtloser wirst. Entspanne Dich, lasse los, verzeihe, wünsche anderen Glück. Verschenke und spende Geld, Dinge, guten Rat und Deine Zeit. Entdecke Deine innere Kraft, werde unabhängig und strahle in die Welt. Tu was für andere – aber auch für Dich. Kultiviere eine liebevolle Grundeinstellung und Humor. Strebe nach einer Balance von Weisheit und Mitgefühl. Übe Dich in Geduld. Werde mutiger. Lerne Meditieren. Focus on what you like. Hab keine Angst vor dem Tod. Wer geboren wurde, muss sterben. Das ist der Lauf der Dinge. Es ist nichts Schlimmes. Mach das Beste aus Allem. Diese Welt wird nie perfekt sein. Sieh die Qualitäten in anderen und auch in Dir, ohne überheblich zu werden. Geh in die Freude. Genieße das Wertvolle und Schöne in Deinem Leben und in der Welt. Leiste einen Beitrag, ohne überzogene Erwartungen zu haben. Erfreue Dich an den kleinen Dingen. Sieh die Möglichkeiten statt die Hindernisse. Gib keine Energie in die Störung. Mach Dein Leben einfach statt kompliziert. So was würde ich Dir raten. Reicht das?
Erik: Das waren sehr viele Ratschläge auf einmal…
Isabelle: Stimmt. Du hast halt gefragt. Ich könnte noch mehr sagen…
Erik: Vielleicht noch eine Frage.
Isabelle: In Ordnung.
Erik: Irgendwann kommt ja der Moment, wo wir sterben. Welchen Ratschlag hast Du für diesen Moment? Ich meine, das Leben ist dann ja schon gelaufen. Hast Du dazu auch was zu sagen?
Isabelle: Einfach loslassen. Wenn der Körper seinen Geist aufgibt, heißt es loslassen. Ich meine, eigentlich sollten wir das schon im Leben tun. Denn alles ändert sich ja die ganze Zeit. Wir können nichts festhalten. Doch beim Sterben ist es besonders wichtig. Unser Körper war vorher nicht hier. Dann ist er hier. Irgendwann funktioniert er nicht mehr. Ich meine, was willst Du sonst auch tun? Wir können nichts mitnehmen. Unser Besitz, unsere Familie, unsere Freunde, unseren Körper – das alles lassen wir dann zurück. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Also einfach loslassen und vertrauen. Es wird schon gut gehen! Es gäbe noch mehr zu sagen. Mehr will ich dazu aber jetzt nicht sagen. Am Besten fragst Du dazu die Buddhisten, da die sich meines Wissens gut damit auskennen.
Erik: Alles klar. Danke für Deine Antworten!
Isabelle: Gern geschehen.
Beitragsbild: © Arne Kruse