Wenn Worte und Taten nicht zueinander passen
Russlands Präsident lässt sich gerne zu Friedensgipfeln einladen. Dort tut er dann so als ob Frieden in der Ukraine möglich wäre – wenn die Ukraine und Europa doch nur mit ihrer Kriegstreiberei aufhören würden. Vor, während und nach den Friedensgipfeln intensiviert Putin derweil die Angriffe auf sein Nachbarland. Putin hat den Ukrainekrieg geplant und begonnen. Er ist der Verursacher. Gleichwohl weist er genau diesen Fakt zurück und behauptet das Gegenteil. Er tut so, als hätte nicht er den Befehl zum Angriffskrieg gegeben. Er tut so als trüge er keine Verantwortung für seine Entscheidungen. Das ist kein Versehen, sondern Programm. Putins Worte sind Täuschung. Seine Handlungen sprechen die Wahrheit. Taten sind wichtiger als Worte. Es gibt einen Begriff für das, was Putin und die russische Propaganda tun: Gaslighting.
Gaslighting
Bei dieser Form der psychischen Manipulation wird der Betroffene gezielt desorientiert, verunsichert und in seinem Realitäts- und Selbstbewusstsein beeinträchtigt. So erklärt es Wikipedia. Google KI präzisiert die Taktiken dabei schön:
- Der Täter versucht, das Opfer gezielt zu verunsichern und es an seinen eigenen Erinnerungen und Wahrnehmungen zweifeln zu lassen.
- Es werden falsche Darstellungen der Realität verbreitet und das Opfer wird dazu gebracht, diese zu akzeptieren.
- Dies geschieht oft durch Lügen, Behauptungen, die die Realität verzerren, und ein verdrehtes Leugnen von Dingen, die tatsächlich geschehen sind.
- Der Täter bestreitet Ereignisse oder Aussagen, die das Opfer als real erlebt hat, und behauptet, es sei nie vorgekommen.
Das beste Beispiel sind Russlands Drohnenangriffe auf Polen vergangene Nacht. Die sind natürlich nur eine böse Erfindung der Europäer. Das Schlimme ist, dass es nicht wenige Menschen in Europa gibt, die die perfiden Märchengeschichten aus dem Kreml glauben.
Russland und Rechte vollenden das, was Linke begonnen haben
Dabei können russische Propagandisten auf eine Vorarbeit bauen, die andere geleistet haben. Es war die politische Linke in Europa, die jahrzehntelang zu Selbstabwertung und Selbsthass angestiftet hat. „Der Westen ist schuld am Leid in der Welt“. „Der Kolonialismus“. „Die westliche Gier“. „Wir sind die Bösen“. „Die NATO ist imperialistisch“. Man kann sich das so vorstellen: Menschen leben in den freiesten und humansten Gesellschaften aller Zeiten. In den Demokratien der westlichen und freien Welt. Diese Freiheit und Humanität basiert auf Werten, die nicht nur in den Köpfen einiger Dichter und Denker rumspuken – nein, sie sind oberstes Verfassungsprinzip. Sie wurden am Ende mit dem Militär erkämpft. Und dann sagen diese Menschen: „Wir sind schlecht“. „Wir sind böse“. „Wir sind schuld“. „Unser System ist kaputt und krank“. Dieser Selbsthass, dieses mangelnde Selbstbewusstsein, diese Geringschätzung und Ignoranz der eigenen Errungenschaften wurden und werden vor allem durch sich politisch links verortende Menschen gestreut. Es ist der fruchtbare Humus, auf dem Putins Propaganda-Gaslighting heute prächtige rechte Pflanzen gedeihen lässt.
Täter und Opfer
Russland ist Täter. Die Ukraine ist Opfer. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis und beschützt ihre Mitglieder. Putin und die russische Propaganda behaupten natürlich das Gegenteil. Die Täter-Opfer-Umkehr ist fixer Bestandteil jedes Extremisten-Werkzeugkastens. Auch Hitler-Deutschland hat sich nur gegen Polen und die Juden „verteidigt“. Hamas-Terroristen „verteidigen“ die Sache der Palästinenser – mit Terroranschlägen und Geiselnahmen. Der Vergewaltiger gibt seinem Opfer die Schuld – es hätte ihn durch die Art der Kleidung „provoziert“. Klingt verrückt, ist aber Alltag.
Die Lösung
Gaslighting wird vor allem im Rahmen zwischenmenschlicher Beziehungen thematisiert. Die Ratschläge, um sich gegen Gaslighting zu wehren, beinhalten einen ganz zentralen Punkt: Wer Gaslighting erfährt, sollte „bereit sein, die Beziehung in Frage zu stellen – mit allen Konsequenzen“. So erklärt es Geo.de. Auf Russland als zentralen Gaslighter des Westens übertragen bedeutet das: Auf Russlands Taten reagieren und nicht auf die Worte. Endlich alle Register ziehen. Aufrüsten. Wehrhaft sein. Die Ukraine mehr unterstützen. Und die Konsequenzen in Kauf nehmen.
Ich wünsche allen viel Spaß dabei, das Putin-Regime als das zu erkennen, was es ist: Eine Bande von extremistischen Psychopathen, die ohne mit der Wimper zu zucken Millionen Menschenleben für ihre nationalistischen und menschenfeindlichen Ambitionen opfern.
Beitragsbild: © Arne Kruse