Wird Europa untergehen?

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Mann: Guten Abend Frau Wang.

Isabelle: Guten Abend.

Mann: Sie wissen, warum Sie heute hier sind?

Isabelle: Sie interessieren sich für meine Ansichten? Ich soll Ihnen helfen?

Mann: Ganz genau. Wie Sie sicher mitbekommen haben, befinden wir uns in einer äußerst schwierigen Situation in Europa. Wir möchten gerne wissen, was Sie darüber denken. Mehrere Personen in diesem Raum haben Ihr Buch „Nie wieder schwach“ gelesen. Sie sind sehr angetan davon, wie präzise Sie die Situation damals schon beschrieben haben, in der sich die freie Welt grundsätzlich befindet. Auch ihr Lösungsvorschlag – die „Zivilisations-Formel“ – fand großen Anklang.

Isabelle: Vielen Dank für die Blumen. Das ehrt mich. Was genau möchten Sie wissen?

Mann: Wir haben mehrere Fragen für Sie vorbereitet. Diesem Gremium hier ist es wichtig, dass Sie vollkommen ehrlich antworten. Sie werden hier als jemand wahrgenommen, der ohne Scheuklappen und ohne Hintergedanken ausspricht, was er denkt. Sie gehören keiner Partei an. Sie haben keine finanziellen Interessen. Sie fühlen sich der freien Welt und ihren Werten an sich verpflichtet, nicht aber bestimmten Personen oder Organisationen. Die Personen hier im Raum, von denen Sie einige sicher kennen, andere vielleicht nicht, erhoffen sich davon nützliche Impulse.

Isabelle: Ich hoffe, ich werde Sie nicht enttäuschen. Sie wollen, dass ich ehrlich zu Ihnen bin. Nichts lieber als das. Das kann dann heftig werden. Das stört Sie nicht?

Mann: Nein, ganz und gar nicht. Wie schon gesagt, schöne Geschichten, politische korrekte Sichtweisen oder vorsichtige Analysen gibt es überall. Wir hier wollen Klartext hören.

Isabelle: Verstanden. Ich bin bereit.

Mann: Gut. In Ihrem Buch betonen Sie, wie wichtig es für die freie Welt sei, zusammenzuarbeiten, um gegen die Feinde der Freiheit zu bestehen. Aktuell erleben wir jedoch, dass die freie Welt in sich zerstritten ist und in gegnerische, wenn nicht gar verfeindete Lager zerfällt. Hier die Trump-Administration, die Putin appeasen will und da die Europäer, welche sich schwer aufraffen können, stark genug für die Ukraine und sich selbst einzustehen. Wie sehen Sie die Lage und was raten Sie insbesondere uns Deutschen, zu tun?

Isabelle: Wie ich die Lage sehe, das verrate ich Ihnen gerne. Aber Tipps geben, was wir oder Sie als Deutsche jetzt tun können? Tipps, die dann doch nicht umgesetzt werden aus politischen Gründen, aus Mutlosigkeit, aus Naivität, aus kurzfristigen Interessen? Diese Tipps gibt es schon zu Hauf! Torsten Heinrich gibt sie immer wieder. Ich habe sie gegeben. Viele andere geben sie täglich: Ahmad Mansour, Nina Scholz, Heiko Heinisch, Susanne Schröter, Christian Rieck, Nico Lange, Roderich Kiesewetter, Sönke Neitzel und Carlo Masala, um nur einige zu nennen. Wenn Sie mich fragen, und das tun Sie ja, brauchen wir etwas anderes: Wir sollten uns auf das vorbereiten, was passiert, wenn all die guten Ratschläge von ausgewiesenen Fachleuten nicht berücksichtigt werden. Denn danach sieht es aus! Wir sollten uns auf das vorbereiten, was passiert, wenn wir in Deutschland und Europa unsere Arschbacken nicht endlich zusammenkneifen. Das eine ist, wie ich die Lage sehe – was wir wirklich bräuchten. Das andere ist, was passiert, wenn das nicht kommt. Wenn ich Sie wäre, wenn ich dieses Gremium hier wäre, wenn ich irgendein Bürger in Deutschland wäre, dann würde ich genau zwei Dinge tun: Erstens würde ich verfolgen, ob die Dinge, die wir wirklich bräuchten, getan werden. Ich würde dazu aufrufen, dass sie getan werden. Und zweitens würde ich mir einen Plan B schmieden für den Fall, dass diese Aufrufe im Nirwana verhallen. Soll ich weitermachen?

Mann: Nur zu, fahren Sie fort!

Isabelle: Wir bräuchten in Europa Politiker, die ohne Angst das Richtige und Notwendige tun. Also keine Feiglinge, sondern furchtlose und zugleich weise Demokraten. Verstehen Sie, was ich mit „weise“ meine? Demokrat zu sein halte ich selbstverständlich für essentiell. Aber ohne Klugheit, ohne Intelligenz und ohne Weisheit wird Demokratie einfach den Bach runtergehen. Es ist dann eine bloße schöne Erscheinung am Sommerhimmel, die dann vergeht, wenn Gewitterwolken aufziehen. Und wissen Sie, was Weisheit im politischen Sinne bedeutet? Heute? In Europa? Es bedeutet, alles dafür zu tun, dass unsere Wirtschaft floriert. Die Wirtschaft muss blühen. Prosperieren. Entfesselt sein! Verstehen Sie das? Ohne Wirtschaft gibt es kein Geld. Und ohne Geld gibt es gar nichts. Daran hängt alles. Wie um alles in der Welt kann man – mit Verlaub – so bescheuert sein, die eigene Wirtschaft klein und kaputt zu regieren? Ein Demokrat ohne Weisheit glaubt, es gäbe Wichtigeres als eine starke Wirtschaft. Politische Torheit nenne ich das. Wissen Sie, welches Land auf dieser Welt wirklich verstanden hat, wie wichtig eine starke Wirtschaft ist?

Mann: Klären Sie uns auf.

Isabelle: Es ist die Volksrepublik China. Ein Land voller Verhungernder unter Mao, das den Westen einholen wollte. Nur ging das eben nicht mit Kommunismus oder Sozialismus. Mit Kapitalismus aber wird es klappen! Warum hat die Sowjetunion den Kalten Krieg verloren? Weil sie die Wirtschaft abgewürgt hat. Warum hat der Westen gewonnen? Weil er starke Ökonomien hatte. Kapitalismus! Marktwirtschaft! Wie auch immer sie es nennen wollen. Warum kann Russland heute trotz Krieg und Sanktionen immer weiter Krieg führen? Weil es entgegen allen Hiobsbotschaften noch potent genug ist: militärisch und wirtschaftlich. Ja, es kann auch seine Bürger ausbeuten. Europäer aber meinen, sie könnten es sich leisten, ihre Wirtschaft zu gängeln und abzuwürgen. Europa lässt es zu, dass Hochqualifizierte und Unternehmen abwandern und Nichtqualifizierte zuwandern. In den Sozialstaat! Wozu soll das gut sein? Was ist das für eine Politik, wenn nicht Selbstmord? Europa glaubt, es könne sich seine Sozialstaaten weiterhin leisten – komme, was da wolle! Wie das? Wer soll die Sozialabgaben bezahlen, wenn die Firmen alle abwandern? Wenn keiner mehr Steuern zahlt? In was für einem Wolkenkuckucksheim leben europäische Politiker? Mit Weisheit hat das nichts zu tun!

Mann: Frau Wang: Sie meinen also, Europa sollte seine Wirtschaft entfesseln, die Sozialstaaten zurückfahren und die Zuwanderung von Unqualifizierten begrenzen?

Isabelle: Ja natürlich! Einen Sozialstaat muss man sich leisten können! Europa kann sich die Sozialstaaten nicht mehr leisten. Zumindest nicht so, wie heute. Das Geld wird für wichtigere Projekte benötigt: Militär, Polizei, Justiz, Infrastruktur, Bildung. Was überbleibt, kann in einen schlanken Sozialstaat – aber bitte nur für wirklich Bedürftige und für Bürger, die schon lange eingezahlt haben. Nicht für Zuwanderer, nicht für Menschen, die nicht arbeiten wollen, weil nicht „der passende Job“ dabei ist. Es geht einfach nicht mehr! Überall werden Mitarbeiter gesucht! Überall! Wie kann das sein? Der Sozialstaat, wie er heute in Deutschland gelebt wird, macht Deutschland krank und schwach statt gesund und stark. Es ist eine Zumutung, das mit anzusehen. Mit Gerechtigkeit hat das auch nichts zu tun. Eher mit Dummheit und mit Feigheit.

Mann: Das scheint ein politisches Minenfeld zu sein.

Isabelle: Sicher. Und deswegen geht es weiter wie bisher. Aber Sie wollen ja Tacheles hier. Bitte: Was glauben Sie, wird passieren, wenn Europa an seinen Sozialstaaten, an seinen gegängelten Wirtschaften und an seinen offenen Grenzen festhält? Was wird die Konsequenz davon sein?

Mann: Wir haben Sie eingeladen, um Ihre Sichtweisen zu hören. Bitte erzählen Sie uns, was Sie dazu denken.

Isabelle: Das tue ich gerne. Die Konsequenz wird sein, dass Amerikaner wie Trump, Vance und Musk sowie Russen, Chinesen, Türken und Araber in Europa den Ton angeben werden. Dazu müssen sie nicht in Europa einmarschieren wie der Russe in die Ukraine. Sie müssen nur mit Krieg drohen oder Sanktionen – schon wird Europa sich fügen. Wenn Europa weiterhin so schwach, ängstlich und fahrlässig agiert wie heute, wird es sich selbst beerdigen. Linke und wirtschaftsfeindliche Politik wird dazu führen, dass in Zukunft Rechte regieren werden – also nicht die CDU, sondern richtige Rechte. Und gleichzeitig wird es ein Erstarken von islamistischen Parteien geben. All jene, die der freien Welt emotional und ideologisch kritisch gegenüber stehen, werden Oberwasser haben. Europa wird an Wohlstandsverwahrlosung und Hybris zugrunde gehen. Kein Land dieser Welt kann ohne eine starke Wirtschaft souverän bestehen. Die freie Welt und hier wiederum gerade Europa mit seiner heftigen Geschichte kann so stolz und dankbar sein für die real existierende Freiheit, die es heute noch gibt. Wie um alles in der Welt kann man so fahrlässig damit umgehen, es aufs Spiel setzen, es den Feinden zum Fraß vorwerfen – in dem man sich selbst schwächt? Aus Angst vor politischen Minenfeldern?!

Mann: Wie sollte Europa sich im Ukraine-Krieg verhalten?

Isabelle: Europa sollte erstens seine Wirtschaft entfesseln und zweitens so stark aufrüsten, dass es Russland auch ohne amerikanische Hilfe auf Abstand halten kann. Europa ist dazu wirtschaftlich ohne Weiteres in der Lage. Es sollte die Ukrainer so stark unterstützen, dass sie Russland zurückdrängen. Politisch sieht es diesbezüglich bislang leider eher mau aus. Verhandeln mit Russland ist ganz wunderbar: wenn man genau wie Russland bis an die Zähne bewaffnet ist und auch bereit ist, diese Waffen einzusetzen. Dann herrscht Augenhöhe. Dann kann es Respekt und Frieden geben. Solange Europa Angst vor Russland hat, wird Russland Europa nicht respektieren. Warum sollte Putin mit dem Krieg aufhören, wenn es für ihn durch Krieg mehr zu gewinnen gibt? Es gibt keinen Grund dazu. Tote Russen interessieren ihn nicht. Russen dürfen nicht gegen den Krieg demonstrieren.

Mann: Wie soll Europa mit Trump umgehen?

Isabelle: Es sollte verstehen, dass Trump noch nett und milde ist gegen das, was nach ihm kommen kann. Vance zum Beispiel. Ansonsten: Erwachsen werden. An sich denken. Wirtschaft entfesseln. Aufrüsten. Migration begrenzen beziehungsweise intelligent steuern. Die Welt ist groß. Europa ist nicht so schwach, wie es sich selbst macht und von der Trump-Administration dargestellt wird.

Mann: Was denken Sie zu Thilo Sarrazins Thesen? Schafft Deutschland sich ab? Wird Deutschland ein islamisches Land?

Isabelle: Thilo Sarrazin hat 2010 den Nagel auf den Kopf getroffen. Ja, Deutschland schafft sich ab – aber nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa – wenn es so weiter geht wie bislang. Dass Deutschland ein islamisches Land wird, glaube ich nicht – wenngleich Deutschlands Politik die Entwicklung dahin bislang befördert hat. Wenn Deutschland und andere europäische Staaten schlau wären, dann würden sie es machen wie Dänemark: Glasklare Anforderungen an Migranten stellen und Abschiebung von allen, die die Bedingungen nicht erfüllen.

Mann: Haben Sie auch eine positive Vision?

Isabelle: Ich kann mir alles vorstellen, von Himmel bis Hölle. Die Frage ist, was realistisch ist. Die Frage ist, was wirklich passiert. Potentiell kann Europa aus der heutigen festgefahrenen Situation lernen. Potentiell kann Europa einer der wirtschaftlich und militärisch stärksten, kulturell vielfältigsten, freiesten und lebenswertesten Kontinente dieser Welt sein. Die Frage ist, ob die nötigen Schritte gegangen werden – oder ob Europa die Zukunft den Radikalen überlässt aus Angst und Scheu davor, selbst die nötigen radikalen Schritte zu gehen.

Mann: Sie meinen also, dass die Politiker der Mitte von heute radikale Politik machen müssen um zu verhindern, dass in Zukunft Radikale radikale und vielleicht dumme Politik machen?

Isabelle: So könnte man das sagen. Ich würde es so sagen: Die vernünftigen Politiker von heute müssen radikale Schritte unternehmen und dumme Politik aufgeben. Sonst werden in Zukunft Radikale und dumme Politiker radikale und dumme Politik machen. Haben Sie verstanden, was das bedeutet? Es wird so oder so radikal werden! Die Frage ist nur, ob in vernünftiger oder dummer Weise. Ich halte es es für besser, wenn vernünftige Leute radikale Politik machen – in intelligenter Weise.

Mann: Wenn Sie entscheiden könnten, welchen Weg Europa einschlägt – welcher wäre es, kurz und prägnant?

Isabelle: Wirtschaft entfesseln und das Militär aufrüsten – Sozialstaat und Migration begrenzen bzw. intelligenter steuern, die eigenen Gesellschaften stärken und resilient machen – und auf dieser Basis, aus einer Position der Stärke heraus, die eigenen Werte und den Frieden bewahren, mit dem Rest der Welt kooperieren.

Mann: Und was ist ihr Plan B, von dem Sie anfangs gesprochen haben?

Isabelle: Wenn Europa versagt, verzagt und das Notwendige vertagt, können sich die Kräfte der Freiheit ein Beispiel an Israel nehmen. Obwohl es seit seiner Gründung von Feinden umgeben ist, existiert es noch immer. Ein kleines Miniland, das prosperiert. Israel ist ein Leuchtturm der Freiheit, der Innovation, des Überlebenswillens, der Resilienz. Und auch der Lebensfreude und Menschlichkeit. Es zeigt, was möglich ist, wenn ein Wille da ist, wenn Kompetenz umworben wird statt vergrätzt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass Israel perfekt ist, dass die Regierung alles richtig macht. Das ist, wie überall, nicht der Fall. Aber es schlägt sich gemessen an seinem Umfeld gut. Also: Selbst, wenn Mitteleuropa in Zukunft insgesamt unfreier, unsicherer und ärmer wird, muss das nicht heißen, dass es überall so sein wird. Es wird immer Inseln der Freiheit geben. Mein Plan B ist es, Freiheitsinseln zu unterstützen und ansonsten mein Leben zu genießen.

Mann: Möchten Sie noch ein Schlusswort sagen?

Isabelle: Werte wie Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und Toleranz – die gibt es nur da, wo sie gelebt und verteidigt werden. So einfach, so brutal. Genießen Sie Ihr Leben. Tun Sie was Sinnvolles. Seien Sie nicht naiv.

Mann: Frau Wang, vielen Dank für Ihre Offenheit!

Isabelle: Nicht zu danken.

Beitragsbild: © Arne Kruse


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