Erik: Die Menschen, die da wohnen, wo andere Urlaub machen, haben es gut.
Isabelle: Wie kommst Du darauf?
Erik: Naja, überleg doch mal: Die einen fahren hunderte Kilometer oder fliegen sogar tausende Kilometer dorthin. Nur für ein paar Wochen Urlaub. Die anderen wohnen und arbeiten dort. Sie müssen also nicht extra da hinfahren. Was ist das, wenn nicht großes Glück?
Isabelle: Dann müssten ja Millionen Menschen glücklich sein, einfach aufgrund ihres Wohnortes. Meiner Erfahrung nach ist das jedoch nicht so.
Erik: Wie ist es Deiner Meinung nach dann?
Isabelle: Meiner Erfahrung nach sind Menschen, die in schönen Gegenden aufwachsen, nicht glücklicher als andere. Nehmen wir zum Beispiel die Alpen: Sicher stimmst Du zu, dass sie schön sind…
Erik: …und wie! Wer dort lebt, hat es geschafft!
Isabelle: Das bezweifle ich! Neben vielen glücklichen Urlaubern treffe ich dort immer auch viele unglückliche Einheimische. Okay, ich weiß nicht genau, wie glücklich oder unglücklich sie sind. Mein Eindruck ist aber, dass sie unter genau denselben Sorgen und Nöten leiden, wie Menschen in unspektakuläreren Gegenden auch. Sie müssen arbeiten. Sie haben Probleme in ihren Familien und Partnerschaften. Sie regen sich wegen Kleinigkeiten auf. Sie werden krank, alt und müssen sterben. Und dann kommen all die lauten Touris vorbei…
Erik: Also ich wäre glücklich, wenn ich den Bergen leben könnte.
Isabelle: Ja – weil Du anderes gewöhnt bist. Daher wertschätzt und bewunderst Du die Berge. Du siehst die Vorteile. Wie aber würdest Du es empfinden, wenn Du dort aufgewachsen wärest? Vielleicht wäre diese ganze Gegend für Dich dann selbstverständlich – nichts Besonderes. Oder Du würdest sogar darüber fluchen und die Nachteile sehen. Schatten im Winter zum Beispiel. Schnee räumen müssen. Oder Dauerregen. Berge als Hindernisse beim Autofahren…
Erik: Mag sein. Ich bin mir aber auch sicher, dass es viele Menschen gibt, die sehr froh darüber sind, in den Bergen zu leben. Sowohl Zugezogene als auch Einheimische.
Isabelle: Ja, das denke ich auch. Ich denke nur nicht, dass es an den Bergen liegt.
Erik: Woran dann?
Isabelle: Es liegt an ihrer Einstellung. Ihrer Offenheit. Ihrem Gemütszustand. Ihrer geistigen Verfassung. Sie entscheidet darüber, ob Menschen glücklich sind oder eben nicht. Wenn es so wäre, dass Berge oder andere schöne Umgebungen glücklich machen würden, müssten ja alle Menschen dort glücklich sein.
Erik: Wie schon gesagt, ich wäre es…
Isabelle: …das glaube ich Dir ja. Aber das liegt dann daran, dass Du eben offen für die Schönheit bist. Du kannst es genießen. Würde es Dir aber innerlich schlecht gehen, dann würdest Du die Schönheit gar nicht wahrnehmen – obwohl andere dort Urlaub machen! Du wärest beschäftigt mit Deinen inneren Vorgängen. Es wäre dann egal, wo Du dich aufhältst.
Erik: Ja, da stimme ich zu. Ist ja nicht anders als mit dem Tagesverlauf: Stehe ich schon genervt auf, dann stoße ich mir gern den Zeh an der Tür, dann treffe ich Lahmärsche im Straßenverkehr und später nervige Kunden. An anderen Tagen ist es genau anders herum.
Isabelle: Genau! Daher fängt alles in Deinem Geist an. Wenn Du wirklich glücklicher werden willst, arbeite daran, innerlich glücklicher zu werden. Dann bist du reich! Und dann ziehe ruhig dorthin, wo es Dir gefällt.
Erik: Es macht immer wieder Spaß, mit Dir zu reden.
Isabelle: Ganz meinerseits!
Beitragsbild: © Arne Kruse